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Im großen Stil wird Sonne eingefangen

Sinsheim. Da wird nicht gekleckert, sondern geklotzt: Der weltweit führende Hersteller von Solarmodulen, die chinesiche Suntech-Power, will über den Parkplätzen der Wirsol-Rhein-Neckar-Arena ein gewaltiges Sonnenkraftwerk errichten. Mehrere zehntausend Quadratmeter Fläche könnten mit Silizium-Paneelen überdacht werden. In der Münchener Deutschland-Zentrale des Unternehmens spricht man bereits von der "größten Solaranlage an einem Stadion weltweit".

Bisher hält das Stade des Suisse in der Schweizer Hauptstadt Bern den Rekord: Das als Wankdorf-Stadion bekannte Sportoval wird derzeit auf 1,3 Megawatt Spitzenleistung aufgerüstet. Dieser Wert soll in Sinsheim locker erreicht werden. Suntech-Sprecher Björn Emde rechnet mit mindestens 1,5 Megawatt, mit denen 500 Haushalte versorgt werden könnten - und vielleicht noch mit deutlich mehr, wenn auch noch die 2500 Parkplätze in städtischem Eigentum in das Projekt einbezogen werden. Im Sinsheimer Rathaus will man nichts übers Knie brechen, hält aber das Konzept "eine Überlegung wert", wie es Bürgermeister Achim Keßler formulierte. Erst brauche man aber noch mehr Informationen, bevor man eine Kosten-Nutzen-Rechnung aufstellen könne.

Zunächst will Suntech zusammen mit seinem Kirrlacher Vertriebspartner Wirsol - beide sind Sponsoren des Fußball-Bundesligisten - die 2000 Stellplätze direkt am Stadion mit Solarmodulen bestücken. "Wie Carports", so schildert Björn Emke, sollen die etwa 2,50 bis drei Meter hohen Aufbauten aussehen. Unter den schräg gestellten Solarzellen parkten dann die Autos. Emde erkennt nur Vorteile: Landschaftsverbrauch gebe es nicht, die Autos stünden im Schatten, und vor Ort könnten Zapfsäulen für künftige Elektro-Autos installiert werden. Ein etwaiges Problem der Regenwasserbeseitigung soll über eine dezentrale Ableitung gelöst werden, dann könnte der Niederschlag wie bisher im Untergrund versickern.

Als Bauherr wird nicht Suntech, sondern die TSG 1899 Hoffenheim beziehungsweise die Dietmar-Hopp-Besitzgesellschaft als Eigentümerin fungieren. Der Modul-Hersteller biete im Zuge der Sportpartnerschaft allerdings "gute Konditionen", sagte Björn Emde. Der geplante Solarpark stehe ohnehin nicht direkt im Zusammenhang mit dem Sponsoring des Unternehmens, sondern sei eine geschäftliche Angelegenheit. Der Sponsorvertrag ist zunächst auf drei Jahre angelegt, während der Solarpark gut und gerne 20 Jahre in Betrieb sein könnte. Nach zehnjähriger Laufzeit sollen sich die Investitionen amortisiert haben und dann aufgrund der vom Staat garantierten Einspeisevergütung Gewinne auflaufen.

Ob auch Sinsheim mit seiner Fläche ins Geschäft einsteigt, ist offen. Man sei mit der Entscheidungsfindung "noch nicht sehr weit", verwies Stadtwerke-Chef Andreas Uhler darauf, dass es bisher nur erste informelle Kontakte gegeben habe. Geklärt werden müsse, ob im Falle einer kommunalen Beteiligung die Stadt selbst als Investor antrete oder ob man einen Verpachtungs- oder Gestattungsvertrag abschließe. Zu berücksichtigen sei zudem, dass zu dem insgesamt 60 000 Quadratmeter großen Gelände auch Grün- und Ausgleichsflächen gehörten, die wohl gesondert betrachtet werden müssten.

Bürgermeister Achim Keßler steht dem Projekt grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber. Die Agenda-Gruppe "Alternative Energien" habe schon vor geraumer Zeit postuliert, die Parkplätze am Stadion für Photovoltaikanlagen zu nutzen. Zunächst müsse man aber die Rahmenbedingungen kennen, bevor das Thema in den Gemeinderat komme. Keßler: "Wir sind offen für Gespräche".

Endgültig vom Tisch scheint inzwischen die ursprüngliche Planung zu sein, auf dem Dach der Arena ebenfalls Solarmodule zu montieren. Zum einen gab es Zweifel an der Tragfähigkeit der Leichtbaukonstruktion, zum anderen habe man die optische Wirkung des Stadions nicht in Mitleidenschaft ziehen wollen, erklärte Suntech-Sprecher Emde. Gleichzeitig allerdings hat das Unternehmen neue Stellflächen für die Stromerzeugung im Auge: Derzeit werde geprüft, inwiefern auch das 1899-Trainings- und Verwaltungszentrum in Zuzenhausen für die Sonnenenergie nutzbar gemacht werden könnte.


23.08.2011, Suntech Power/rnz.de

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